"Wos is däh des?" oder
Wie es zur Gründung des Krippelkiefer-Labels kam
"Wos is däh des?"
titulierte sich eine CD, die im Jahre 2002 zu Promotionzwecken von zwei Exil - Erzgebirgern "unter die Freunde" gebracht wurde.
Die mit erzgebirgischen Texten vorgetragenen Lieder des Tonkörpers hörten sich an, als wären sie des Abends in einem Schlafzimmer produziert worden - und dem war auch so.
Die Zwei Hobby - Musikanten, die sich hinter diesem bald als bösen Anschlag gegen die etablierte volkstümliche Erzgebirgsmusik gewerteten Coup versteckten, hießen Torsten Lang und Stefan "Sterni" Mösch.
Beide hatten schon vor der Jahrtausendwende ihrer erzgebirgischen Heimat den Rücken kehren müssen, um nicht der dort immer heftiger grassierenden "Prekarisierung" (beamtenverdeutscht für "Verelendung"), zum Opfer zu fallen.
Kennengelernt hatten sich die beiden bereits zu Wendezeiten, als sie für einige Zeit in der von permanenter Erfolglosigkeit gesegneten Auer Punkband "Entart" lautstark musizierten.
Während sich Sterni bald darauf nach Afrika aus dem Staub machte, verschlug es Torsten in den Tessin und nach ein paar weiteren Abstechern schließlich nach Berlin, wo er eine Ausbildung zum Sozial -und Sexualpädagogen absolvierte.
Sterni folgte ihm einige Zeit später in die (bevölkerungsstatistisch betrachtet) drittgrößte sächsische Stadt nach, um seine alten Tage mit einem Geschichtsstudium an der Humboldt - Universität zu krönen.
Trotz der beschränkten freien Zeit hockten sich die beiden Emigranten häufig zusammen, um musikalische Pläne zu schmieden und weitere verschworene Heimatvertriebene in einem "Erzgebirgskulturverein Berlin - Mitte" um sich zu sammeln.
Eine mehrfach vorgeschlagene Gleichschaltung mit dem konkurrierenden "Erzgebirgsverein Berlin( - West)", der am 9. Mai 1945 von einigen politisch Verfolgten unter US - amerikanischem Schutz im unbefreiten Teil der Stadt gegründet worden war, schlugen sie wacker aus, da sie sich zu diesem Zeitpunkt noch keine geklöppelten Schlipse leisten konnten.
Sie zogen es indes vor, Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu unternehmen, wobei ihre Klampfen natürlich niemals fehlen durften. Am Stechlin, so erzählt man, sollen die beiden in einem einsamen Kiefernwalde ihr erstes öffentliches Konzert gegeben haben, worauf der demokratische Beschluß gefaßt wurde, den Namen "De Krippelkiefern" als Bandkennung zu erwählen.
Bald hatte man einen kleinen bunten Blumenstrauß selbst erfundener und geklauter Musikstücke zusammengestellt, den man mit einer späterhin als "krikikistisch" apostrophierten, mitunter etwas deftig daherschreitenden Poesie würzte. Anstatt ihren phlegmatisierten Hörern "Bacherln und Brückerln", "Spackfettbemme" und "pfeifende Füchse" zu Gemüte zu führen, zogen es die beiden neu gebackenen Folkbarden vor, die Freuden und Leiden der kleinen Leute ihrer erzgebirgischen Heimat zu würdigen und zu besingen, denen die "Blühenden Landschafts" - Delirien gewisser herrschender Politiker nur als zynische Häme und bittere Demütigung vorkommen mußten.
Gespickt mit einem gehörigen Schuß Blues, garniert mit Einflüssen aus Jazz, Punk, Beat, Rock und wer weiß was noch, gelang es den beiden Post - Hippies bald, einen unverwechselbaren neuen regional fundierten Folksound zu schaffen, der in den Folgejahren immer mehr Anklang in den heimischen Wäldern fand, wo die beiden Freizeitkünstler nun immer häufiger auftauchten.
Zunächst wurden die beiden Individualisten bei ihren Auftrittsversuchen in der "Haamit" bisweilen noch mit leeren Flaschen beworfen, doch bald gründete sich eine kleine, stetig anwachsende Fangemeinde, deren Epizentrum in Schwarzenberg lag. Hier war es auch in der Oberen Schloßstraße bei den Beiers, wo erste lokale Erfolge gefeiert und begossen werden konnten.
2003 erschien dann - immer noch zu zweit - die erste reguläre CD des mittlerweile sehr abgekämpft Krippelkiefern - Duo`s,
"Es gieht mich ja nischt ah",
der ein Jahr später - nun neu belebt durch die beiden musikalisch kraftstrotzenden Glücksritter Tobias Horn (b, voc) und Stefan "Happy" Heppner (dr, perc, Gießkanne, voc) - die CD
"Singel"
folgen sollte.
Häufig verstärkt durch eine Reihe von Musikerfreunden auf der Bühne, gaben die "Krikis", wie sie von Ihren Freunden bald auch liebevoll genannt wurden, nun immer mehr und zahlreicher besuchte Konzerte, die zwar den lokalen Ruhm der Combo um einiges mehrten, die Musiker aber nicht von ihrer prekarisierten Existenz zu erlösen vermochten, da die Gagen hauptsächlich für das Produzieren im Studio und für Reisekosten verausgabt wurden, während der Löwenanteil der Erlöse aus den CD - Verkäufen bei einer Produktionsfirma versickerte, deren Namen hier nicht genannt werden soll.
Der Gordische Knoten (sprich Knebelvertrag mit besagter Firma) mußt also zunächst gelöst werden, um sich endlich auf eigene Beine zu stellen - und die Gündung eines bandinternen Labels wurde in die Wege geleitet, bei dem die im Mai 2007 erschienene CD
"Schlimmer gieht's immer"
produziert wurde, eine Produktion, mit der die Band einen weiteren Schritt zur unabhängigen Professionalität vollzog.
Das Krippelkiefer - Label hat sich zum Ziel gesetzt, in Zukunft wesentlich zu einer Etablierung einer unabhängigen Neuen Erzgebirgischen Musik beizutragen, die sich vehement dagegen wehrt, dem seichten Kommerz vor die Säue geworfen zu werden. Kreativität und Ehrlichkeit sollen der Manipulation des Volksgeschmacks und der Massenverdummung, wie sie zur Zeit noch immer durch die Massenvermarktung volkstümelnder Tralala - Combos bis zum Erbrechen exerziert werden, entgegengesetzt werden.
Um dieses Ziel realisieren zu können, ist das Label auf die Unterstützung und Mithilfe aller anständigen Musiker der Region angewiesen, an die an dieser Stelle nochmals dringend appelliert wird. Laßt uns also alle dabei mitwirken, ein kulturelles Heimatgefühl zu entwickeln, daß den Erzgebirger nicht mehr als liebenswert - vertrottelten Hinterwäldler und Weihnachtsmann in die Medien bringt, sondern als modernen, toleranten und begabten Zeitgenossen würdigt, der Geschmack und künstlerische Begabung besitzt.
In diesem Sinne an alle unsere Unterstützer und Freunde ein zünftig - trotzigen Glückauf
die Verlagsinhaber (KK)
i.V.
Chefkorrespondentin Dr. Anna Schwarz-Beer-Kannl